Startbahn Ost – zu einer sozialen Stadt gehören kulturelle Angebote für Kinder und Jugendliche

Wichlinghausen entwickelt sich zu einem Stadtteil, der in der jungen Musikszene im Bergischen Land eine immer größere Rolle spielt, weil er Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten bietet, zielorientiert zu arbeiten. Eine Vernetzung mit den Zentren der jungen Pop-/Rockszene entwickelt sich: ‚Villa Rock’ (Rockprojekt Wuppertal) und Uni-Halle (Schülerrockfestival) arbeiten mit jungen Musikern, die in Wichlinghausen wohnen bzw. zur Schule gehen, zusammen. Im Wuppertaler Osten gibt es Firmen und Initiativen, die Rock-/Popmusik jeweils auf ihre Weise fördern: Die ‚Schule für Tontechnik‘ in der Linderhauser Straße ermöglicht Live-Mitschnitte von Konzerten, hier finden auch Casting-Konzerte für das Schülerrockfestival statt. VilmaRental verleiht professionelle Tontechnik und Musikinstrumente, u.a. für das Schülerrockfestival. Das Musikerzentrum am Oxtor in Heckinghausen, entwickelt von Profi-Drummer Rüdiger Braune, ist mit 60 Probenräumen und dem ‚Heyday‘-Tonstudio für die fortgeschrittenen Bands eine wichtige Adresse.
Das amerikanische Restaurant ‚Road Stop‘ auf Einern bietet den Bands jährlich die Möglichkeit, im Anschluss an das Schülerrockfestival eine tolle After-Show-Party mit allem Drum und Dran (Lokation, Catering, Disko) zu feiern und auch Pressekonferenzen durchzuführen.
Die Freddy-Fischer-Stiftung unterstützt zusammen mit dem RoadStop die Arbeit der ‚Villa Rock‘ auf Einern, wo zur Zeit 10 junge Bands proben und die Planungen der Konzerte und Projekte koordiniert werden.

Mit Hilfe der Projektförderung aus Mitteln der ‚Sozialen Stadt‘ plant das Rockprojekt Wuppertal für den 20. Juni 2015 erstmalig ein Open Air Konzert auf dem alten Schulhof an der Feldstraße. Hauptpartner ist die Förderschule Lentzestraße, die Schülerfirmen betreibt und beim Open Air Festival das Catering übernimmt. Das Konzert beginnt nachmittags um 15 Uhr und geht bis 22 Uhr. Die Anbindung an die Nordbahntrasse ist günstig, Schüler verteilen mit Fahrrädern Flyer und plakatieren in den angrenzenden Einrichtungen wie z.B. Mirker Bahnhof. Junge Musiker aus den Wichlinghauser Schulen (Gesamtschule Langerfeld, Carl-Duisberg-Gymnasium) sind auf der Bühne dabei, zusammen mit Schülerbands aus den Schulen in anderen Stadtteilen und dem Bergischen Land. Viele von ihnen proben regelmäßig in der ‚Villa Rock‘, wodurch die Kommunikation der jungen Rockszene sehr stark geworden ist. Nicht fehlen darf die ‚Familie Dellbusch‘, der Mehrgenerationenchor: Kleinkinder, Teenager, Eltern und Großeltern singen und musizieren gemeinsam – inzwischen ist diese bunte Truppe in Wichlinghausen ein fester Bestandteil der nachbarschaftlichen Projekte geworden ist. Beim ‚Wichlinghauser Waschtag‘ wird Familie Dellbusch ein eigens für diesen Anlass geschriebenes Lied uraufführen und auch beim Open Air Wichlinghausen auf der Bühne stehen. Die Plaktierung und die Verteilung der Flyer wird sich auf den Raum Wichlinghausen konzentrieren.

Die ‚Heimatlosen Helden‘ auf Tour de France…

Auf dem Plakat des 28. Wuppertaler Schüler-Rockfestival stehen sie direkt unter den Headlinern Bosse und Daniel Pfeffer: Klar, denn Wuppertals Nachwuchsband ‚Heimatlose Helden‘ kann mittlerweile mit Fug und Recht als ‚regionales Highlight‘ bezeichnet werden.

Lukas Weinert, Fabian Meier, Alex Kantor, Robin Friese und Maik Zietek starteten 2011 ihr aktuell sehr erfolgreiches Bandprojekt. Mit ihren eigenen deutschsprachigen Rock-Pop-Liedern überzeugten sie bei zahlreichen Konzerten und wurden rasch zum Selbstläufer, den jedes Konzert führte zu weiteren Einladungen. Kein Wunder, denn sie liegen voll im Mainstream und werden mit Größen wie den Sportfreunden Stiller und Revolverheld auf eine Stufe gerückt. Die Heimatlosen Helden verweisen in ihrer Biographie dennoch Bodenständigkeit und lokale Verwurzelung – das Schülerrockfestival ist eine feste Größe in ihrem Konzertkalender und an der Gesamtschule Ronsdorf musizierten die meisten von ihnen schon seit fast 10 Jahren in diversen Bands.

Die Band absolvierte vielbeachtete Auftritte u.a. zusammen mit “The Black Pony” und “Chris Cosmo”. Die Präsenz im RTL-TV-Format “Köln 50667” und im ZDF-Fernsehgarten brachte weitere Kontakte mit sich. Einem Anruf vom Goethe-Institut Paris verdanken die sympathischen Jungs ihre erste große Konzertreise außerhalb Deutschlands: Im Januar 2014 rockten sie beim Schülerrockfestival in der UNI-Halle und ließen ihre Verstärker gleich im Tourbus, um 2 Wochen lang in Paris, Bordeaux, Toulouse, Lyon, Nancy, Strasbourg, Marseille und Lille vor tausenden französischen Kids ihre gelungene Mischung aus griffigen Texten, wiedererkennbaren Melodien und kraftvollen Rocksounds zu spielen. Anlass für die Konzertreise war der 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages, in welchem Konrad Adenauer und Charles de Gaulle eine zukunftsweisende deutsch-französische Zusammenarbeit vereinbart hatten. Rock als Sprache der Völkerverständigung – die 5 Jungs aus Wuppertal freuen sich, hier ein lautes Wörtchen mitreden zu können…

Gelungene deutsch-französische Rockband-Begegnung

Liegt Wuppertal in den Vogesen? Oder Epinal im Bergischen Land? Im Rahmen des Musikprojekts ‚on y va‘, welches die Robert-Bosch-Stiftung ein Jahr lang gefördert hat, fühlte es sich so an, als spiele die Entfernung keine Rolle.
Junge Bands machten sich aus beiden Richtungen auf den Weg, um gemeinsam zu musizieren. Rock/Pop als internationale Kommunikationsform, E-Gitarren, Drumsticks, Mikrophone – schon war man im Gespräch. Gemeinsame Liedideen wurden aus dem Ärmel geschüttelt, aus Skizzen wurden Kompositionen. Den Proben folgten Auftritte – in der ‚Villa Rock‘ in Wichlinghausen jammten Wuppertals Senkrechtstarter‚Heimatlose Helden‘, die erst kürzlich im ZDF Fernsehgarten begeisterten, zusammen mit den sympathischen französischen Schülerbands ‚Punches‘, ‚Easy Day‘ und ‚Never More‘. Auf der großen Bühne des Schülerrockfestivals wurde beim gemeinsamen Auftritt ein selbst produzierter Videoclip auf den Bühnenhintergrund projiziert – deutsche und französische Fahnen wehten zwischen den Portraits der Musiker, die Frage, wer welchen Personalausweis in der Tasche hat, war überflüssig – alle kamen aus dem Rockland, ihre Sprache ist auch ohne Wörterbuch für jeden verständlich. Das spürten auch die 3.000 Jugendlichen in der UNI-Halle, und der Funke setzte sich fort, als die Wuppertaler ‚Helden‘ dann zum Gegenbesuch starteten – zusammen mit ‚Mira & Band‘ sowie ‚Janus H. & Taylor Luc Jacobs‘. Die Begegnung gelang auch dort, gleich mehrere Auftritte standen im Programm. ‚A très bientôt‘ – bis bald…
Der Rock’n Roll-Zug wird weiterrollen – das wünschen sich jedenfalls alle Beteiligten.

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Engagement gegen Rechts…kleine Chronik

1991: Aufgeschreckt durch den Golfkrieg nehmen Musiker aus 7 Bands des Schüler-Rockfestivals eine Schallplatte auf mit dem Titel: ‚Heiliger Krieg – Krieg ohne Sieg‘. Der Sänger, Rasmi Jumah, trägt dieses Lied in deutscher und arabischer Sprache vor. Es wird von internationalen Radiostationen weltweit gespielt. Das Cover der Vinyl-Schallplatte entwirft ein Teilnehmer des WP-II-Kurses Kunst/Design der Gesamtschule Wuppertal-Ronsdorf, Horst Lange.

1993: Die Schülerband PÜNKTCHEN PÜNKTCHEN befindet sich im Auftrag des Goethe-Instituts Istanbul auf Konzertreise in der Türkei. Sie soll mit ihren Konzerten türkischen Jugendlichen einen Einblick in die Jugendkultur Deutschlands vermitteln. Auf dem Flughafen von Ankara sehen sie im Fernsehen die entsetzlichen Bilder von dem zeitgleich erfolgten Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus in Solingen. Die Ronsdorfer Schülerband stellte sich bei ihren folgenden Konzerten dem Thema und verurteilte die feigen Anschläge. Zurück in Wuppertal nehmen die Schüler an den Lichterketten gegen Rassismus teil (‚Wupper-Leuchten‘).

Der Brockhaus-Verlag und die Duden-Redaktion finanzieren eine Lied- und Studioproduktion zum Thema ‚DEUTSCH IST INTERNATIONAL‘ – über die Rolle der Fremdwörter in der deutschen Sprache. Dieses Lied bezieht die Fremdenfeindlichkeit ein.

Oberstufenschüler, darunter Musiker aus dem Rockprojekt, bewachen nachts das Asylbewerberheim in der Ronsdorfer Lilienstraße.

In der Aula der Gesamtschule findet eine Podiumsdiskussion mit Experten sowie ein Rock-Konzert statt, Thema: ‚GEWALT IS SHIT‘:

1986 besuchte der Dichter ERICH FRIED die Gesamtschule. Nachdem es Streit um die Namengebung der Schule gab, vertonten Musiker aus dem Rockprojekt das Gedicht ‚Wo liegt Nicaragua‘ von Erich Fried und veröffentlichten es auf dem Sampler ‚Schüler-Rockprojekt 1‘.

GEGENWIND: Konfrontationen zwischen Neonazis und Punkern während des Schülerrockfestivals führen zu anonymen Briefen an das Rockprojekt und Plakat-Aktionen der rechten Szene im Stadtbild.

Junge Bands aus dem Wuppertaler Schülerrockfestival schreiben Texte und Lieder zum Thema. Das LOGO für die Gegenwind-CDs wird von Schülern des WP-II-Kurses Kunst/Design an der Ronsdorfer Gesamtschule entwickelt. Ein anonymer Anrufer hinterlässt seine Stimme auf dem Anrufbeantworter des Rockprojekts, seine Hetzrede wird auf Gegenwind 1 veröffentlicht und von dem Ronsdorfer Rapper SARDO G kommentiert.

Es folgen 5 Gegenwind-Sampler sowie 5 Gegenwind-Konzerte. Weitere Konzerte gegen Rassismus außerhalb Wuppertals folgen, Bands aus dem Gegenwind-Projekt treten auch am KZ-Mahnmal Kemna auf, zuletzt anlässlich der 75-Jahres-Gedenkfeier.

Das Rockprojekt arbeitete in einzelnen Projekten zusammen mit der Lands- und Bundeszentrale für politische Bildung, dem NRW-Innenministerium, der Polizeidirektion Köln, dem Jugendring Wuppertal, dem Bündnis für Demokratie und Toleranz mit Sitz in Berlin und anderen Einrichtungen.

Rockige Reise nach Frankreich

3 Bands aus Wuppertal trafen 3 Bands aus Epinal. So einfach ist das. Oder auch nicht, denn die Entfernung zwischen dem Bergischen Land und den Vogesen beträgt 6 Autostunden und die Kommunikation zwischen deutschen und französischen Jugendlichen holpert etwas: in Deutschland ist Französisch als Fremdsprache nicht sehr häufig in den Schulen anzutreffen – und umgekehrt. Aber was soll‘s?! Man befindet sich in der gleichen Musikszene und das jugendliche Alter verbindet auch, man bewundert dieselben Musiker, man trägt ähnliche Klamotten, läuft Fußbällen hinterher und lacht gern. Also kann eine Begegnung von jungen Rockbands aus ‚F‘ und ‚D‘ eigentlich nur gelingen.

Als die Robert-Bosch-Stiftung vor einem Jahr zu deutsch-französischen Jugendbegegnungen aufrief, denen etwas Besonderes eigen ist, schlossen sich engagierte Förderer der Rockmusik in Epinal und in Wuppertal kurz – und schrieben ein Begegnungsprogramm, welches von der Jury der Stiftung ausgewählt wurde. Rock und Pop grenzüberschreitend! Das Motto wurde zur Leitlinie, 3 französische Schülerbands reisten im Oktober 2013 in die Villa Rock im Wuppertaler Nord-Osten und musizierten 4 Tage lang zusammen mit Bands der lokalen Szene: Heimatlose Helden sowie Mira&Band gehören zur Schüler-Rockfestival-Szene. Alle hatten ne Menge Spaß, und nachts zwischen 2 und 3 Uhr schüttelte Gitarrist Marc 3 Akkorde aus dem Ärmel, die aus dem Stegreif zu einem Lied erweitert wurden, welches die Stimmung der Musiker-Clique genau traf: ‚Je veux chanter avec vous, parfois je suis tellement fou, j’aime la vie comme vous – et c’est tout, c’est tout, c’est tout…‘ – Das Medium ist die Message: „Ich will mit Euch singen, bin manchmal etwas verrückt, liebe das Leben so wir Ihr – und das genügt mir schon…“

Ein einfaches und sehr friedliches Programm! Musik verbindet, auch über die alten innereuropäischen Grenzen hinweg, die ja für Reisende kaum noch wahrnehmbar sind, aber doch in sprachlicher und kultureller Hinsicht irgendwie existieren.

Und das ist den 2 x 3 Bands sehr gut und vor allem nachhaltig gelungen: Beim 28. Wuppertaler Schüler-Rockfestival im Januar 2014 waren die jungen Bands aus Epinal erneut im Bergischen Land und fühlten sich in der Rock-Villa in Wuppertal-Wichlinghausen gleich wie zuhause. Als sie dann auf der riesigen Bühne der UNI-Halle aufgetreten sind, war das für die Punches, Easy Day und Never More ein großartiges Gefühl. Die deutschen Zuschauer machten mit, die Stimmung im Saal war ausgelassen. Abwechselnd mit den jungen deutschen Bands flochten sie gemeinsam das Programm eines unvergesslichen Abends. Und als zur ‚Prime Time‘ die bereits regional bekannten ‚Heimatlosen Helden‘ die Halle rockten, warteten die jungen Bands aus den Vogesen schon an der Bühnentreppe, denn der Abschluss des Helden-Auftritts war ihr gemeinsames Lied! So erlebten tausende junge Zuschauer diese ganz besondere Form des Dialogs mit dem Nachbarland – on y va – je veux chanter avec vous! Helden-Sänger Lukas übersetzte diese weltbewegenden Zeilen dann spontan in seine Muttersprache und an Stelle einer Babylonischen Sprachverwirrung kam eine entspannte gemeinsame Performance zu Stande.

Und jetzt, Ende Mai 2014, rockten sie wieder gemeinsam, und zwar in Epinal. Beherbergt von den Familien der französischen Partnerbands erlebten die Heimatlosen Helden sowie Mira&Band, die spontan als 3. Gruppe das Duo Janus H. und Taylor Luc Jacobs mitbrachten, 4 wunderschöne Tage. 4 Konzerte, dazwischen Ausflüge, Barbecues und ein spannendes Stadtspiel, ein gemeinsamer Konzertbesuch bei einer bekannten französischen Band und ganz nebenbei eine Produktion mit dem Saarländischen Rundfunk– das Rock-Über-Die-Grenzen-Projekt war gelungen! Das Eis ist für immer gebrochen, die jungen Musiker und ihre Begleiter haben Freundschaft geschlossen und werden gewiss ihr Leben lang von Epinal respektive Wuppertal reden…. Und sich auf neue gemeinsame Begegnungen freuen….