Das Rockprojekt Wuppertal e.V. hat seinen Sitz in Wuppertal und wurde vor 30 Jahren unter dem Namen ‘Ronsdorfer Rockprojekt e.V.’ von dem Musiker und Lehrer Kalle Waldinger an der damals ganz neu gegründeten Gesamtschule Wuppertal-Ronsdorf gemeinsam mit einigen Eltern von musikbegeisterten Schülern gegründet.

Sinn und Zweck des Vereins ist es, Schülern das Erlernen eines Musikinstrumentes zu ermöglichen, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Die Schüler bekommen Instrumentalunterricht und können Instrumente ausleihen. Sie sammeln Erfahrungen im Zusammenspiel mit anderen Musikern, z.B. durch die Gründung einer eigenen Band. Für die Proben stehen zwei Probenräume zur Verfügung, hier kann es ruhig mal etwas lauter zugehen. Und die Schüler bekommen Einblicke in die Medienwelt und blicken hinter die Kulissen der Musikproduktion.

Ausgelöst wurde das Ganze eher zufällig, der neue Lehrer und die neuen Schüler wussten anfangs noch nichts von ihren gemeinsamen Interessen. In der Mittagspause saßen einige von ihnen auf dem Flur mit akustischen Gitarren und fragten Kalle Waldinger, ob er ihnen den Musikraum aufschließen könne. Da der Lehrer selber einmal Musiker war und in Rock-Bands gespielt und gesungen hatte, war ihm das Anliegen seiner Schüler nicht fremd. Er fand mit Hilfe von Eltern aber auch gegen manchen Widerstand einiger Musikkollegen (damals war Rock- und Popmusik in der Schule noch Neuland!) eine Lösung: Ein nicht benutzter Toilettenbereich der neu erbauten Gesamtschule durfte (mit Elternhilfe) zu einem Probenraum umgebaut werden und die Schüler konnten hier ihre ersten Erfahrungen als Band sammeln. Unter dem Namen “8×5-1″ produzierten sie schließlich die erste Single des Rockprojekts: “Sturm im Wasserglas”. 4 aus dem Stegreif entstandene freche Rocklieder überzeugten auch den Förderverein der Ronsdorfer Gesamtschule, ein Studio wurde gebucht und die Grundlagen für das Rockprojekt waren gelegt!

Es blieb nicht bei einer Band, mit der Zeit entstanden immer mehr Bands im Keller der Gesamtschule, die Ihre Freizeit und die Unterrichtspausen bzw. auch die Freistunden für den Ausbau ihrer musikalischen Fähigkeiten intensiv nutzen konnten.

Die bisher erfolgreichste Band aus dem Rockprojekt heißt “Pilos Puntos”, hat aber schon als Kinderband vor 28 Jahren unter dem Namen “Pünktchen Pünktchen” von sich hören lassen. Ihre erste Platte ist 1985 erschienen und hieß “Süße Sachen”. Mit Unterstützung des Goethe-Instituts, welches weltweit u.a. das Erlernen der Deutschen Sprache und im Ausland die Information über deutsche Kultur fördert, wurden unzählige Konzerte in 4 Kontinenten organisiert. Mit Hilfe der Eltern (damals hatte noch keiner der Musiker einen Führerschein) wurden auch viele Konzertreisen innerhalb Deutschlands und in den Nachbarländern durchgeführt. Mit den Jahren konnten die jungen Musiker zig tausende Jugendliche bei ihren Konzerten begrüßen und dabei selbst viel über die fremden Länder und Kulturen erfahren.

Neben Pilos Puntos erreichten insbesondere die Bands “Fuoristrada” (mittlerweile unter dem Namen Mente unterwegs) und “Pastell” einen internationalen Bekanntheitsgrad, die deutschsprachigen Lieder der Bands finden sich in den Lehrbüchern für Deutsch als Fremdsprache überall auf der Welt. Es galt als kleinen Sensation, dass Kinder und Teenager mit ihrer Musik große Massen begeisterten – lange vor Tokio Hotel.

Das Schüler-Rockprojekt finanzierte sich ausschließlich aus Spenden und aus den Einnahmen der Konzerte und Tonträger-Verkäufe. Nur so ist es immer wieder möglich, neuen Schülergenerationen einen Einstieg in die faszinierende Welt der Rock- / Popmusik zu ermöglichen. Viele ehrenamtliche Helfer sind dabei ein wichtiger Faktor, denn sie alle helfen dabei, die Kosten möglichst gering zu halten, z.B. bei den Konzertreisen.

Eine Erweiterung des Förder-Radius über die Bands der eigenen Schule hinaus ergab sich durch die Gründung des Wuppertaler Schüler-Rockfestivals vor 28 Jahren!